Deutscher Wettbewerb - Allgemeines

Dieser Wettbewerb lenkt den Blick auf neue Kurzfilme aus Deutschland und gibt einen Überblick über aktuelle Themen sowie ästhetische und technische Tendenzen. Hier bietet sich die Möglichkeit, neue Talente zu entdecken und das Schaffen prominenter Kurzfilmer zu verfolgen. Denn schon traditionell bildet der Deutsche Wettbewerb einen Querschnitt ab der unabhängigen Filmemacher und Produktionen sowie der hiesigen Filmhochschulen.

Aus den rund 700 Einreichungen schafften es 24 Kurzfilme in die Auswahl. Diese Kurzfilme – sowohl Spielfilme als auch Dokumentar- und Experimentalfilme sowie Animationen – bewerben sich um den Jurypreis (2000 Euro). Das Publikum kürt den besten Kurzfilm aus Internationalem und Deutschem Wettbewerb und prämiert diesen mit dem Liberté-Publikumspreis, präsentiert von Gauloises und dotiert mit 1500 Euro.

Alle fünf Programme des Deutschen Wettbewerbs laufen in den Zeise Kinos. Wie im letzten Jahr präsentieren wir im Filmraum in Eimsbüttel eine zweite Wiederholung aller Programmblöcke. Darüber hinaus gibt es einige Vorstellungen im 3001 Kino und dem B-Movie.

Best of Deutscher Wettbewerb:
Montag, 9. Juni | 20 Uhr | Filmraum
Montag, 9. Juni | 21.45 Uhr | Zeise 2

Filmauswahl: Lars Frehse, Alexandra Gramatke, Sebastian Hofer, Nadine Mayer, Stine Wangler

 

 

Deutscher Wettbewerb 2014 im Detail

In der Natur des Menschen

Wald und Wiesen sind dem deutschen Kurzfilmer schon immer ein beliebter Hintergrund. In diesem Jahr wachsen Flora und Fauna jedoch vermehrt ins Zentrum des Geschehens. Die Naturfilmer gehen der Frage nach, welche Beziehung wir heute noch zur Tier- und Pflanzenwelt haben, und was wir uns mit ihr erlauben. Vermag es der heimische Wald angesichts aufwendigster SerengetiTierdoku-Thriller noch, uns zu interessieren? Wie kommen Vögel im vom Menschen geformten Lebensraum Stadt zurecht? Erstaunlich auch, was für eine Farce das Töten und Essen von Tieren sein kann. Da kann man nur hoffen, dass die Menschheit von Weitem betrachtet nicht mehr darstellt, als langsam verschwindende Kreise im Ozean.

Aber es geht auch um die Natur des Menschen an sich, um seine mentalen Verwachsungen und seelische Verkümmerung. Wir sehen eine Familie, die einem einen Schauer über den Rücken jagt, obwohl sie harmlos ist. Oder doch nicht? Ungläubig verfolgen wir die erschütternde Geschichte eines Erwerbsunfähigen im Osten. Wo man auch hinschaut, gesellschaftliche Fehlentwicklungen: Der Finanzkapitalismus macht die Männer kaputt, Sexualität hat eher mit Scham und Missverständnissen als mit Lust zu tun, Scheitern ist heutzutage selbst für einen Roboter zu viel. Das hat alles nicht mehr viel mit Natur zu tun. Und so kommt Unbehagen auf, wenn man sieht, dass Opa partout nicht akzeptieren will, dass sein Enkel schwul ist, wenn der Krieg und seine Folgen plötzlich real werden und wenn wir das Vertrauen in unsere Glaubenssätze verlieren. Wohltuend wie ein Barfußspaziergang über saftige Wiesen sind dagegen eine etwas abgewetzte Scheinwelt in der Wüste, ein verliebter Grieche und die Rettung von Elektrobaby.

Man kann sich dem, was draußen sprießt, kreucht und fleucht natürlich (sic!) auch entziehen und bei angenehmer Raumtemperatur in den eigenen vier Wänden den Geräuschen der Bauarbeiten lauschen. Oder im Bett bleiben und sich seine Träume malen lassen.

Formal schlagen in diesem Jahr übrigens die Bäume aus. Auffallend viele Filme überwuchern die Genregrenzen von Spielfilm oder Dokumentation oder schlagen sich gleich ins Unterholz des Experimentellen.

Auf eine spannende Fahrt ins Grüne mit dem Deutschen Wettbewerb!

Text: Sebastian Hofer

Jury Deutscher Wettbewerb & Pilsner Urquell Hamburg Nacht

Im Deutschen Wettbewerb wird ein Jurypreis im Wert von 2.000 Euro vergeben.

Im Rahmen der Pilsner Urquell Hamburg Nacht wird ein Jurypreis im Wert von 1.500 Euro vergeben.

 

Anja Ellenberger:
Anja Ellenberger war nach ihrem Studium (Kunstgeschichte, Medien- und Kommunikationswissenschaft, Ethnologie) wissenschaftlich tätig, mit besonderem Fokus auf den Animationsfilm. Als Kuratorin arbeitete sie für Hamburger Off-Galerien und verschiedene internationale Filmfestivals. Derzeit ist sie an der Hamburger Kunsthalle beschäftigt und untersucht in Kooperation mit der Universität Hamburg das Filmschaffen in der Stadt während der 60er-Jahre. Zu ihren Schwerpunkten zählen außerdem der Avantgardefilm sowie künstlerische Strömungen der 60er in Ost- und Mitteleuropa.

Omer Fast:
Omer Fast ist bildender Künstler und Filmemacher. Er studierte Englisch und Bildende Kunst in New York und Boston und war nach seinem Abschluss an mehr als 150 internationalen Ausstellungen beteiligt, darunter Einzelausstellungen im Whitney Museum New York, Moderna Museet Stockholm, Dallas Museum of Art und Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien. In Gruppenausstellungen war er unter anderem auf der Documenta 13, der Biennale Venedig, im Guggenheim New York und Centre Pompidou Paris vertreten. Seine Arbeiten wurden vielfach ausgezeichnet und sind Bestandteil verschiedener internationaler Sammlungen.

Sabine Holtgreve:

Sabine Holtgreve ist Redakteurin beim NDR und dort für die Bereiche Fernsehfilm, ›Tatort‹ und Kinoproduktion verantwortlich. Bis 2006 betreute sie als Redakteurin beim SWR die Reihe ›Debüt im Dritten‹. Bis 2011 war sie als Produzentin unter anderem für Wueste Film Ost tätig. Viele preisgekrönte Debütarbeiten und Kinoproduktionen sind von ihr begleitet worden. Für ihre redaktionelle Mitarbeit am Fernsehfilm ›Rose‹ wurde sie mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet. Sie ist Mitglied der deutschen Filmakademie und der Akademie der darstellenden Künste.